Agent Orange

“Agent Orange”, so wurde ein Entlaubungsmittel genannt das noch nach Jahrzenhnten nach dem Ende des Vietnamkrieges Menschen tötet und für viele andere ein qualvolles Leben bewirkt. Der Name “Agent Orange” entstand eigentlich nur dadurch, weil dieses Gift in Fässer mit orangenen Streifen gekennzeichnet gefüllt wurde. Daneben wurden noch “Agent Blue”, “Agent Pink” und
“Agent Green”. Doch “Agent Orange” wirkte am schnellsten und wurde aus diesem Grund besonders gerne eingesetzt. Aber was war es für ein Gift und welche Geschichte hat es?

Schon in den vierziger Jahren wurde ein Herbizid entwickelt, welches als Unkrautbekämpfungsmittel in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Dieses Herbizid wirkte ausserordentlich schnell und wirksam. Doch auch das Militär wurde schnell darauf aufmerksam. 1951 begannen Testprogramme für den militärischen Einsatz als Entlaubungsmittel. Insgesamt wurden 15 Herbizide entwickelt. “Agent Orange” war eine Mischung aus zwei Wirkstoffen. Die 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure und die
2,4,5-Trichlorphenoxyessigsäure. Diese beiden Stoffe wurden mit Kerosin oder Diesel gemischt. In späteren Jahren stellte man fest, dass ausgerechnet “Agent Orange” hochgradig mit Dioxin
(2,3,7,8-Tetrachlorodibenzo-p-dioxin (TCDD) verunreinigt war. Auf ein Gramm Herbizidmischung kamen bis zu 50 Mikrogramm Dioxin. Dioxin ist der Sammelbegriff für 210 verschiedene chlorierte Kohlenwasserstoffverbindungen. Darin beinhaltet sind zwei Untergruppen. 75 der Dioxine gehören zu den polychlorierten Dibenzodioxinen (PCDD) und die restlichen 135 zu den polychlorierten Dibenzofuranen (PCDF). Einige dieser Dioxine sind 1000-mal giftiger als Zyankali und zählen zu den gefährlichsten Umweltgiften.

Grundgerüst der Dioxine
Grundgerüst der Dioxine
das Dioxin in Agent Orange
das Dioxin in Agent Orange

Dioxine gehören zu den stärksten Giften, die in der Natur vorzufinden sind. Nur das Diphterie-Toxin, das Botulinus-Toxin A und das Tetanus-Toxin übertreffen in ihrer Giftigkeit die Dioxine. Die Wissenschaftler vermuten, dass die extreme Giftwirkung in den Dioxinen durch seine spezifische Molekülstruktur verursacht wird. Im Körper des Menschen sind Rezeptoren vorhanden, zu denen das TCDD-Molekül wie ein Schlüssel zum Schloss passt. Rastet dieser “Schlüssel” ein, so werden eine ganze Reihe von gesundheitlichen Folgen ausgelöst. Das Dioxin beeinflusst die Wirkungsweise anderer Hormone und Wachstumsfaktoren dadurch, dass die Empfindlichkeit der Rezeptoren verändert wird.

Vom Anfang der 60-iger bis Anfang der 70-iger Jahre wurde Agent Orange als Entlaubungsmittel in Vietnam eingesetzt. Beabsichtigt war vor allem, den vietnamesischen Widerstandskämpfern und nordvietnamesischen Truppen, welche in die südvietnamesischen Gebiete eindrangen, die Deckung zu nehmen, um sie somit leichter aufklären und bekämpfen zu können. Und um ihnen die Versorgung mit Nahrung zu erschweren. Agent Orange kam ausschliesslich in Südvietnam zum Einsatz. Insgesamt wurden wärend des Krieges neunzig millionen Liter Herbizide versprüht. Inzwischen belegen neueste Studien geheimer US-Army-Dokumente die genauen Abwurfmengen- und orte. Hinzu kommt, dass die US-Soldaten über die Gefährlichkeit der Herbizide nicht aufgeklärt wurden und diese oft sorglos und unter Missachtung von Sicherheitsmassnahmen mit den tötlichen Stoffen umgingen. So wurden zum Beispiel viele Fässer in den US-Army-Stützpunkten einfach in den Boden entleert. Bodentruppen der US-Amerikaner wurden in die Landstriche entsand, wo vorher die Herbizide versprüht wurden. Das alles erinnert zum Beispiel an die Vorgänge im ersten Golfkrieg, als über 100.000 amerikanische Soldaten sorglos, in mit amerikanischer Uran-Munition verseuchten Gebieten campierten und über 64.000 US-Soldaten nach ihrer Rückkehr in die Heimat an den Folgen der Verstrahlung erkrankten.

In Vietnam leben noch millionen Menschen in mit Dioxin verseuchten Gebieten. Sie bestellen ihre Felder, essen die Erträge ihrer Ernten und trinken von dem Grundwasser. Was bleibt ihnen auch übrig zu tun? Sie müssen irgendwie ihre Familien ernähren um Leben zu können. Dass sie dadurch sich selbst und ihre Nachkommen vergiften können sie nicht ändern. Die Krankheiten, die durch das Dioxin verursacht werden sind äusserst komplex. Für die vietnamesischen Ärzte sind viele Krankheitsbilder neu. Es sind alle Teile des menschlichen Körpers betroffen. Hinzu kommt, dass die Mittel für die Behandlung und medizinischen Versorgung sehr begrenzt sind. Das führt unter anderem dazu, dass die vietnamesischen Ärzte oft nur hilflos zuschauen können. Einige ausländische Ärzte und private Hilfsorganisationen versuchen zu helfen. Doch die Katastrophe, die durch die USA verursacht wurde, ist einfach zu überwältigend gross, dass alle Massnahmen und Mittel nicht ausreichen. Die US-Regierung und das Pentagon selbst sieht sich nicht in der Verantwortung oder auch nur in der Schuld. Von ihrer Seite kommt keine Hilfe.

Seit Ende des Vietnamkrieges werden ständig grausam missgebildete Kinder geboren. Nach Schätzungen handelt es sich hierbei um eine Grössenordnung von einer halben Million vietnamesischer Kinder. Oftmals sehen die Eltern dieser Kinder das als Strafe Gottes für die Fehler die sie begangen haben. Also sind diese Kinder doppelt bestraft, obwohl sie niemals ein Gegner und ein Ziel der amerikanischen Regierung und Militärs sein konnten. Sie sind unschuldige Opfer, die in der Regel niemals von irgend jemanden Hilfe und Linderung ihrer Leiden und Qualen erhalten.

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Kommentar von Olaf van Meegen | 2011-11-29

Beruflich bin ich gelegentlich in der Region am Ben Hai-River (ehem. 17.Breitengrad - Demarkationslinie), in der Quang Tri-Provionz, ehemals Nordvietnam. Von den dort lebenen und arbeitenden Vietnamesen weiss ich, dass auch Amerikaner sich in den letzten 20 Jahren darum bemüht haben, Granaten und Minen zu beseitigen (neben einigen Anderen, so Deutsche). Die Amerikaner engagieren sich auf breiter Ebene in Vietnam, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch durch die Förderung sozialer Projekte. Tausende Amerikaner haben Vietnam als Reiseyiel entdeckt, und lassen Millionen von USD im Land, nicht nur ExGis. Das nur der Vollständigkeit halber...Ansonsten leidet die Region tatsächlich noch immer unter den Kriegseinflüssen, und es kommt regelmäßig zu Minenexplosionen, die inzwischen bis zu zwei Meter tief in der Erde liegen (bei der Landeinebnung der zig Bombenkrater untergegraben).Gerade am Küstenstreifen sind die Narben des Krieges offensichtlich, und in den giftverseuchten Dörfern lebt und stirbt man anders, als in Hue oder Hanoi.

Kommentar von Zapel, Matthias | 2011-10-15

Ich schäme mich heute in einem Land zu wohnen, daß die USA vergöttert obwohl unser Deutschland genug Grund hätte sich von solchen Dingen wie den Vietnamkrieg eindeutig und unmißverständlich zu distanzieren. Ich habe als Schulkind noch FÜR Vietnam gespendet und bereue nichts. Die Amis sind für mich moralisch gesehen nicht besser als Hitlerdeutschland.

Kommentar von Voyance | 2011-06-01

Some time ago that I was coming to your blog and I must say it is still
so interesting!

Kommentar von Winfried Kujawa | 2011-04-12

Eine Hölle machten die USA aus dem Süden von Vietnam! Wie gemein können Menschen nur sein. Die USA müssten für diese Taten international verurteilt und finanziell bestraft werden. Sie müssen für diesen Schaden zahlen. Wer dafür Befehle gab gehört hinter Gittern!