Das Reich Champa und sein Volk
Das Volk Cham wurde schriftlich erstmalig etwa am Ende des 2. Jahrhunderts erwähnt. Chinesische Texte berichteten von Volksstämme, vielleicht indonesischer Herkunft, die die mittlere Region des heutigen Vietnams ( etwa von Quang binh bis Binh dinh) bevölkerten.
Diese Volksstämme nannten sich Cham. Die erste Bezeichnung des Reiches war Lam ap (Reich des Waldes ). Es ist nicht bekannt, ab wann sich das Cham - Reich "Champa" nannte. In der vietnamesischen Sprache ist " Champa" der Name einer Blume (im Norden “hoa đại” und im Süden “hoa sứ” genannt ). Diese Blume wird heute noch in Garten von Pagoden und Tempeln gepflanzt.
Champa war wegen seines legendären Reichtums an Gold, seinen seltenen Gehölze (Amber ,...) und seiner Tiere ( Nashorn...) weit über dessen Grenze bekannt. Chinesischen Texten nach leuchtete dort die Erde in der Dunkelheit wie Glühwürmer, weil sie so goldhaltig war. Die Cham galten nicht nur als mutigen Krieger sondern auch als geschickten Handwerker und Künstler, insbesondere im Sakralbau und in der Bildhauerei (Stein). Sie waren erfolgreiche Bauer und Fischer.
Durch die besondere geographische Lage - Durchgangszone zwischen mehreren hochentwickelten Reichen (China im Norden , Khmer - Reich im Westen , dem javarischen Reich im Süden ) dürfte dem Land Champa kaum gegönnt gewesen sein, sich in langen Friedenzeit entwickeln zu können. Das Reich müßte von seiner Entstehung an viele Kriege geführt haben, und zwar nicht nur zur Verteidigung. Es überfiel u. a. Giao chi und später Đai Việt. (heutige Nordvietnam) häufig.
Die Geschichte Champas kann in zwei großen Perioden geteilt werden:
- von 3. bis 9. Jh.
- von 10. bis 16. Jh. (Untergang des Reiches)
Die erste Hauptstadt des Reiches war Tra kieu , in dessen Nähe sich die Stadt Hoi an und die Tempelanlage Myson befinden. Die zahlreichen Fundstellen , insb. in Dong duong und Myson, wo Tempelruinen noch zu sehen sind, könnten belegen, daß das Cham- Volk in erster Linie unter sehr starken Einfluß des Hinduismus stand. Im Cham- Museum in Da nang kann man Statuen vom hinduistischen Gott Shiva und dessen Gattin, der Göttin Uma, sowie mehrere Reliefs aus Stein bewundern, die das Leben am Hofe des Chams Königes und der hinduistischen Geistlichen darstellten. Diese Zeitzeugen bestätigen die Annahme, daß es China nie gelungen war, Champa zu okkupieren und deshalb hatte die chinesische Kultur auf die Bevölkerung Champas keinen Einfluß. Parallelen zur Khmer- Kultur und indischen Kultur dagegen waren sehr ausgeprägt.
Chams Tempeln stehen heute u.a. noch in Chau sa ( in der Nähe von Quang ngai ), oder bei Nha trang ( thap Ba = Tempel Ponagar ) ...
Als der Staat Đai Việt im 10. Jh. von China unabhängig wurde, gab es immer wieder militärische Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern.
Am Ende des 10.Jh. gaben die Cham wegen des hohen militärischen Drucks aus dem Norden
Tra kieu und Myson auf, um in Binh dinh eine neue Hauptstadt zu errichten. Nun war Champa verstärkt durch die Khmer bedroht. Im Jahr 1145 erlitt Champa eine starke Zerstörung durch die Khmer - Armee.
Die Kaiser von Đai Việt, insb. in der Trần - Dynastie , betrieben stetig das Vordringen nach Süden, auch durch die Diplomatie. So bekam z. B. der Cham König Che Man die Trans Prinzessin Huyen Tran zur Frau. Die Hochzeitsgeschenke waren u.a. die beiden Provinzen Ô und Ri (heutige Provinz
Quang nam).
Als Che Man ein Jahr nach der Hochzeit starb, und die Tran-Prinzessin der Tradition der Cham folgend ihrem Gatten auf das Scheiterhaufen folgen mußte, gelang es dem Kaiser Tran Anh Tong die Prinzessin gegen den Willen des neuen Cham König Che Chi nach Đai Việt zurückzuholen. Da Che Chi die geschenkten Provinzen zurück haben wollte, kam es erneut zum Krieg. Champa überfiel und plünderte daraufhin regelmäßig Đai Việt, meist dann, wenn dort ein Thronwechsel stattfand und der neue Kaiser noch minderjährig war, was häufig vorkam. Unter der Regierung von Le Thanh Tong in der späten Le-Dynastie wurde Champa von Đai Việts Armee im Jahr 1471 vernichtend geschlagen. Das Reich Champa, territorial stark verkleinert, erholte sich von diesem Schlag nicht mehr. Im Jahr 1697 wurden die letzten beiden Provinzen Champas durch die Armee von Đai Việt eingenommen. Der Untergang des Reiches Champa war endgültig.
Das Cham-Volk hatte nicht nur eine blühende Kultur und Kunst hervorgebracht. Es hatte mutig seine Kultur verteidigt und bewahrt. Chams Kultur ging als ein eigenständiger und wichtiger Beitrag in die vietnamesische Kultur ein.
Heute leben noch etwa 100.000 Cham in Vietnam, überwiegend in Ninh thuan und Binh thuan. Somit sind sie das zahlenmäßig 14. stärkste Volk in dem Vielvölkerstaat Vietnam mit 54 Ethnien.
Literaturverzeichnis:
- Tran Trong Kim: Viet nam su luoc / Hanoi 1921
- Tran Ngoc Them: Tim hieu ban sac van hoa Viet nam / Ho Chi Minh City 1996
- Le Thanh Khoi: 3000 Jahre Vietnam / München 1969
- Heinz Mode: Kunst in Süd - und Südostasien / Dresden 1979
© Text und Fotos: Thu Lan Böhm
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