Vietnamkrieg Teil 1
Liebe Leser. Den Krieg, der in der Öffentlichkeit allgemein als der "Vietnamkrieg" bekannt ist, verbinden wir stets mit der militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und der DRV (Demokratischen Republik Vietnam, bekannt als Nordvietnam). Doch bedenken wir, daß Vietnam jahrhundertelang den Invasionen und damit verbunden der Ausbeutung, sowie demütigenden Knechtung durch ausländische Mächte unterworfen war. Daß dies für die Vietnamesen bedeutete, im eiigenen Land unmündig zu sein. Ohne polarisieren zu wollen, muß ich damit die Schlußfolgerung ziehen, daß der bewaffnete Widerstand gegen ausländische Besatzer durchaus seine Berechtigung hatte. Sowohl rechtlich als auch moralisch.
Im Kolonialkrieg gegen die Franzosen fanden mehr als eine halbe Million Vietnamesen den Tod. Dieser Krieg dauerte 8 Jahre an. Erst zuvor hatten sie sich 5 Jahre gegen die brutale Unterdrückung durch die Japaner gewehrt. Allein in diesen 5 Jahren starben ungefähr 2 Millionen Vietnamesen. Mit der Schlacht bei Ðiện Bìên Phủ fand die Besetzung durch Frankreich ein Ende. Doch durch die Festlegung des 17. Breitengrades als eine Trennlinie zwischen Nord- und Südvietnam, wurde das Fundament neuer Konflikte gelegt.
Hồ Chí Minh hätte 1956 die vorgesehenen Wahlen gewonnen. Aus diesem
Grund wurden die Wahlen sabotiert und nicht durchgeführt. Mit massiver
Hilfe der USA wurde Südvietnam militärisch, wirtschaftlich und
finanziell als Bollwerk gegen den “Kommunismus” unterstützt. Und
letztendlich griffen die USA direkt in den Konflikt ein. Dieser Krieg
wurde mit aller Härte und Grausamkeit geführt und nachdem die USA und
Südvietnam eine militärische und politische Niederlage erlitten, war
ganz Vietnam verwüstet. Insgesamt kamen 3,5 Millionen Menschen in
diesem Krieg ums Leben. Über
2 Millionen waren Zivilisten.
Der Konflikt zwischen der Viet Minh Bewegung und der französischen Kolonialmacht während des Zweiten Weltkrieges, der Befreiungskampf gegen die japanischen Besatzer, der Kampf gegen die französischen Kolonialherren nach Ende des Zweiten Weltkrieges sowie der Kampf zwischen den Viet Minh und den USA bezeichnet man als den Vietnamkrieg.
Noch in der Gegenwart lassen sich in Vietnam die Wunden aus dieser Zeit beobachten. Das Land hat ökologisch, sozial und wirtschaftlich noch immer schwer an den Spätfolgen des Vietnamkrieges zu leiden. Die USA dagegen mussten die erste militärische Niederlage in ihrer Geschichte erleben. Nicht nur bei den amerikanischen Kriegsteilnehmern, sondern in der gesamten Gesellschaft der USA entstand das sogenannte “Vietnam-Syndrom”, welches bis zum heutigen Tag die Aussenpolitik der USA prägt. Bei einer Betrachtung des Vietnamkrieges muss man diesen aber auch im Zusammenhang mit nord- und südvietnamesischen Positionen sowie im Rahmen der internationalen Weltpolitik sehen.
1945 sahen der nordamerikanische Geheimdienst OSS (Office of Strategic Services) und die Regierung der USA Ho Chi Minh und seine vietnamesische, nationalistische und kommunistische Bewegung noch als einen Verbündeten an. Gemeinsam kämpften sie gegen die Japaner, wobei die Amerikaner die Bewegung unter Ho Chi Minh als einen sehr effektiven und zuverlässigen Partner in diesem Kampf schätzten.
Es gab viele tausende namentlich nicht bekannte Helden im
vietnamesischen Befreiungskampf, einige herausragende und in den
Geschichtsbüchern vermerkte Persönlichkeiten Vietnams. Aber niemand
kommt im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg an einer Person vorbei, Ho
Chi Minh. Sehr viele Vietnamesen nennen ihn noch heute liebevoll Onkel
Ho. Also muss ich an dieser Stelle erstmal einiges über diesen Mann
schreiben. Ho Chi Minh’s Vater war ein Mandarin am Hof des Kaisers in
Hue. Dieser verliess später seine Familie und reiste als Lehrer durch
das Land. Ho verliess Vietnam zum erstenmal 1911 an Bord eines
Dampfers. Noch kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges begann er in
Paris als Journalist zu arbeiten. Es dauerte nicht lange und er schloss
sich dort den französischen Sozialisten an. Später wurde Ho Mitglied
der französischen kommunistischen Partei, weil diese sich als einzige
Partei strikt gegen jede Form von Kolonialismus wandte. Entschieden und
kompromisslos schrieb er in seinen Zeitungsartikeln mit scharfen Worten
gegen den Kolonialismus und jede Form von Einschränkung der
Selbstbestimmung der kolonialisierten Völker. Dadurch geriet er
unverzüglich mit der Polizei in Konflikt. Ho musste 1924 Frankreich
verlassen und reiste mehrere Jahre nach Moskau, China und Thailand. Im
Lauf der Zeit lernte er mehrere Sprachen fliessend zu sprechen. In
Hongkong gründete er 1929 zusammen mit anderen vietnamesischen
Intellektuellen die Kommunistische Partei Indochinas. Erklärtes Ziel
der Partei war die vollständige Unabhängigkeit Vietnams vom
französischen Kolonialismus.
Am 2. September 1945 proklamierte Ho Chi
Minh vor Hunderttausenden die Unabhängigkeit Vietnams von japanischer
Besatzung und französischer Kolonialherrschaft.
1887 gründete Frankreich die Indochinesische Union. Die regionalen
Konflikte ausnutzend weitete Frankreich seine Kolonialherrschaft auf
vier Verwaltungseinheiten aus: auf das Königreich Kambodscha, Tonkin im
Norden, das Kaiserreich Annam in der Mitte Vietnams und auf Cochinchina
im Süden. Später traf es dann noch Laos. In Vietnam bildete sich eine
kleine vietnamesische Bildungselite, welche der Kolonialmacht
Frankreich Widerstand entgegenbrachten. Aber erst mit Beginn der
Weltwirtschaftskrise in Frankreich traten diese vietnamesischen
Intellektuellen offen auf und diskutierten über die politischen,
ökonomischen sowie sozialen Zustände in Vietnam. Gegen Ende der
dreissiger Jahre verstärkten die Franzosen ihre Repression gegen
vietnamesische Nationalisten und Kommunisten. Frankreich wurde im
Zweiten Weltkrieg von Hitlers Militärs besiegt und die Japaner begannen
Ende Dezember 1941 ihren Machtbereich in Südostasien gewaltsam
auszudehnen. Dadurch verloren die europäischen Länder, die in diesen
Gebieten über Kolonien verfügten bedeutend an Einfluss. Die Besatzung
durch japanische Truppen war noch um ein wesentliches brutaler als es
die europäische Kolonialherrschaft war. Aber sie läutete das Ende
dieser europäischen Kolonialherrschaft ein. Die französische
Kolonialverwaltung blieb unter der japanischen Oberhoheit weiterhin
bestehen, wobei sie in dieser Zeit mit noch grösserer Brutalität gegen
Aufständische, Kommunisten und antijapanische Gruppen vorging. Unter
Führung von
Ho Chi Minh wurde 1941 die “Liga für die Unabhängigkeit
Vietnams” (Abkürzung: Viet Minh) gegründet. In ihr waren junge
Intellektuelle, welche sich dem Kommunismus verschrieben hatten sowie
einige bürgerliche Kreise vertreten. Ho Chi Minh wurde bis 1945 der
unumstrittene Führer der vietnamesischen Widerstands- und
Unabhängigkeitsbewegung. Das nicht zuletzt wegen seinem hervoragenden
Organisationstalent und seiner Fähigkeit die Menschen für den
Befreiungskampf zu begeistern. Die Japaner hatten die französische
Verwaltung aufgehoben, nachdem 1944 die Allierten Frankreich von den
Deutschen befreiten. Sie setzten den Kaiser Bao Dai als Oberhaupt
Vietnams ein, wobei Vietnam weiterhin von Japan abhängig war. 1945
eroberten die Viet Minh
6 Provinzen im Norden Vietnams. Der Erfolg der
Viet Minh wurde dadurch begünstigt, dass es im Land zu Nahrungsmangel
kam. Dies war die Folge der Ausbeutung Vietnams durch Japan sowie durch
die Kriegswirschaft, welche die Japaner in Vietnam betrieben. Der
dadurch entstehenden Hungersnot fielen ca. zwei Millionen Vietnamesen
zum Opfer. Folge war, dass sich hunderttausende Vietnamesen der Viet
Minh Bewegung anschlossen. Im Jahre 1945 wurden die Viet Minh offiziell
Verbündete der Alliierten.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war das Elend und die Hungersnot extrem gross. Deshalb versuchten die Viet Minh die Lebensmittel gerechter zu verteilen und gleichzeitig ihren Einflussbereich in Vietnam zu vergrössern. Vor allem im Norden Vietnams hatten die Viet Minh die Macht. Jedoch im Süden Vietnams, mit Ausnahme von Saigon, hatten die Sekten der Cao Dai und die Hoa Hao die Verwaltung übernommen. Diese beiden Sekten zählten zusammengenommen ca. 2 Million Mitglieder.
Die USA versuchte die europäischen Kolonialmächte, wie zum Beispiel
Grossbritannien, Frankreich und die Niederlande, zu überzeugen ihre
asiatischen Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen. Diese jedoch
wollten ihre durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten Volkswirtschaften
mit Hilfe ihrer Kolonien sanieren. Deshalb konnte sich die USA mit
diesem Anliegen nicht durchsetzen. Schon 1945 kämpften französische
Soldaten in Vietnam gegen die Japaner. Das wurde durch die
Unterstützung der Briten möglich. Als Truman Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika wurde, revidierte er die bisherige Aussenpolitik
des vormaligen Präsidenten Roosevelt, vor allem dessen Kritik an dem
Kolonialismus. Die Bahn für die erneute Machtübernahme Frankreichs in
Indochina war somit frei. Im September 1945 besetzten britische Truppen
den südlichen Teil Vietnams, eine nationalchinesische Armee den Norden
bis zum 17. Breitengrad und später wurden französische Truppen nach
Vietnam gesendet. Zum Teil auf amerikanischen Schiffen. Sofort begannen
die Kämpfe zwischen französischen Truppen und den Viet Minh. Die Viet
Minh waren zu dieser Zeit ein starker militärischer Widerpart. Die
Sekten der Cao Dai und Hoa Hao im Süden Vietnams hatten bisher als
Verbündete der Viet Minh gekämpft. Doch nun wechselten sie die Seiten
und verbündeten sich mit den Franzosen unter dem General Philippe
Leclerc. In Saigon wurden die Regierungsgeschäfte durch den Hohen
Kommissar für Indochina, Admiral
Georges Thierry d’Argenlieu
übernommen. Auch Vietnamesen wurden in hohe Ämter berufen. Diese
Vietnamesen waren aber Grossgrundbesitzer, Geschäftsleute und
Rechtsanwälte. Also keine Vietnamesen die ihr Land und ihre Bevölkerung
repräsentieren. Diese Regierung war keine nationalistische Alternative
zu den Viet Minh und somit zum Scheitern verurteilt. Die Franzosen
konnten die grösseren Städte kontrollieren, jedoch ausserhalb dieser
Städte kehrten die Viet Minh nach einem Rückzug der französischen
Truppen wieder in diese Gebiete zurück. Auch in Saigon hatten sie im
Untergrund eine starke Widerstandsbewegung.
Im Norden Vietnams war Ho Chi Minh in einer verzweifelten Situation. Die nationalchinesischen Truppen des Tschiang Kai-schek’s marodierten, vergewaltigten, raubten und mordeten wie wildgewordene Horden. Es war zwingend notwendig, dass die Truppen des Tschiang Kai-schek aus dem Land vertrieben werden. Ho sah in einem Abkommen zwischen den Viet Minh und den Franzosen den einzigen Ausweg aus dieser schwierigen Situation. Am 6. März 1946 wurde dann ein entsprechendes Abkommen zwischen den Viet Minh und den Franzosen geschlossen. Die Franzosen übernahmen somit auch im Norden die Kontrolle und Vietnam wurde von Frankreich als “freier Staat innerhalb der Französischen Union” anerkannt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Franzosen nun auch in Nordvietnam die Macht übernahmen. Dieser Kompromiss war innerhalb der Viet Minh eine harte Zerreissprobe. Aber Ho konnte sich mit seinem Standpunkt durchsetzen. Für ihn war gegenüber einer weiteren Besetzung durch die Truppen der Nationalchinesen eine solche vorübergehende Lösung die bessere Entscheidung. Doch die Franzosen riefen 1946 einen Staat Cochinchina aus und konfrontierten Ho Chi Minh mit wirtschaftlichen Forderungen. Dies war ein klarer Verstoss gegen das Abkommen zwischen nach obenFranzosen und Viet Minh.
Die Aussenpolitik der Truman-Regierung war vom Kalten Krieg
gekennzeichnet. Die Auseinandersetzung zwischen den westlichen Nationen
unter Führung der USA und auf der anderen Seite der Sowjetunion, die
Blockbildung von West und Ost und der Sieg des kommunistischen Fühers
Mao über Tschiang Kai-schek hatten eine sehr grosse Auswirkung auf die
amerikanische Vietnampolitik. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die USA
diesbezüglich mehr eine neutralistische und gemässigte Haltung ein.
Doch durch die eben genannte weltpolitische Entwicklung änderte sich
die aussenpolitische Einschätzung und Bewertung der Vorgänge in
Indochina. Das hatte zur Folge, dass Frankreich durch die USA mehr und
mehr in ihrem Kampf gegen den “Kommunismus” in Indochina unterstützt
wurden. Trumans Politik der “Eindämmung” (containment) begann und damit
das stecken von “roten und blauen Fähnchen” auf den Weltkarten der
Politiker und Militärs. Dieses aussenpolitische Denken und Handeln der
USA sollte nicht nur für Vietnam Unterdrückung, Grauen und Tod
bedeuten. Dabei sei hier noch anzumerken, dass die Aussenpolitik der
Sowjetunion auch nach dem Tod Stalins ebenso expansiv war. Auch die
Sowjetunion war ständig bestrebt ihren Einfluss in der Welt zu
verstärken und dem “westlichen Gegner”, vor allem den USA zu schaden wo
es nur ging. Skrubel empfanden die sowjetischen Führer und hohen
Funktionäre dabei auch nicht. Auf beiden Seiten zählte nur das Motto:
“was dem anderen schadet, das nützt mir”. Auf der einen Seite bedrohten
sie sich mehr und mehr mit einem riesigen Arsenal von
Massenvernichtungswaffen und auf der anderen Seite unterstützten sie
die eine oder andere Partei in Konflikten der sogenannten Dritten Welt
und der Kolonialländer. Die Regierung der USA zweifelte nicht im
mindesten daran, dass Ho Chi Minh in Vietnam die fähigste und
einflussreichste Persönlichkeit war und dass es zu ihm keine
nationalistische Alternative gibt. Das amerikanische Aussenministerium
hielten Ho Chi Minh, trotz seiner ideologischen Ausrichtung” für einen
vietnamesischen Nationalisten. Aber weil man keinen Kontakt zu den Viet
Minh aufnehmen konnte, war das Misstrauen sehr gross, dass es zwischen
den Viet Minh und der Sowjetunion Kontakte geben könnte. Im Januar 1950
erkannten die VR China und die Sowjetunion die Viet Minh als legitime
Regierung der “Demokratischen Republik Vietnam” an. Hierin sah die
Regierung der USA den letzten Beweis für eine Kooperation zwischen
diesen Ländern und den Viet Minh. Aufgrund dessen wurde der von
Frankreich eingesetzte Kaiser Bao Dai und sein “Staat von Vietnam”
offiziell anerkannt. Damit begann 1950 die finanzielle Militärhilfe der
USA für Frankreich in Vietnam. Die
Viet Minh kontrollierten zu dieser
Zeit schon etwa zwei Drittel von Vietnam und später mit der Schlacht
bei Dien Bien Phu, unter Führung des Generals Vo Nguyen Giap, setzten
die Viet Minh dem französischen Kolonialismus in Vietnam ein Ende.
Auch unter dem Präsidenten Eisenhower wurde der Indochinakrieg zwischen
den Franzosen und den Viet Minh als eine Auseinandersetzung zwischen
dem Weltkommunismus und dem Westen angesehen. Demzufolge forderte die
Eisenhowerregierung von den Franzosen in Indochina energischer
militärisch vorzugehen. Doch die französische Regierung federte die
amerikanischen Forderungen mit einem Erpressungsversuch ab, indem sie
sich in Europa gegen eine Wiederaufrüstung Deutschlands und damit gegen
die Aufstellung einer westdeutschen Armee im Rahmen des westlichen
Bündnisses stellten. Allerdings forcierten sie ihr militärisches
Arrangement in Vietnam. Eine alles entscheidente Militäroperation wurde
vorbereitet. Man wollte die Viet Minh in einer Schlacht schlagen und
vernichten. Die französischen Truppen besetzten das Tal um
Dien Bin Phu
und die Einheiten der Viet Minh unter Führung von General Giap setzten
sich in den Bergen um dieses Tal fest. Zehntausende Soldaten der Viet
Minh brachten unter unsäglichen Opfern Nachschub, Artillerie und
Munition über Dschungelpfade heran. Später sollte gerade diese
Artillerie ein entscheidenter Faktor zum Sieg bei Dien Bin Phu sein.
Denn die französischen Truppen waren so ständigem Artilleriebeschuss
ausgesetzt, womit sie nicht gerechnet hatten. Doch zu diesem Zeitpunkt
hoffte die französiche Regierung schon auf ein Ende des Vietnamkrieges
am Verhandlungstisch. Hier will ich nicht auf die einzelnen Beweggründe
der französischen Regierung eingehen, weil dies hier zu weit führen
würde. Nur sei gesagt, dass es für diese Orientierung der Franzosen
innen- wie auch aussenpolitische Gründe gab. Ausserdem hatte die
französische Bevölkerung genug von diesem schmutzigen Krieg und wollte,
dass er ein Ende nimmt. Inzwischen wurde die militärische Lage der
französischen Truppen bei Dien Bin Phu immer aussichtsloser. Obwohl die
USA massiv Militärhilfe in Form von 40 B-26-Bomber, geflogen von
französischen Piloten, und amerikanische Militärberater in Zivil
betrieben war die Lage der Franzosen ausweglos. Die Artillerie der Viet
Minh vernichteten die französische Artilleriestellungen und die
Landebahn. Damit waren diese Truppen vom Nachschub abgeschnitten. Es
konnte nur noch begrenzt Hilfe durch Nachschub per Fallschirmabwürfe
geleistet werden. Französische Piloten, welche tollkühn unter
Artilleriebeschuss zu landen wagten riskierten dabei Kopf und Kragen.
Es sei bemerkt, dass es ernsthafte Überlegungen in hohen militärischen
Kreisen in Washington gab, das militärische Fiasko der französischen
Armee durch einen Einsatz der Nuklearwaffe zu verhindern. Jedoch
konnten sich diese Kreise gegenüber dem amerikanischen Generalstab und
der Eisenhowerregierung nicht durchsetzen. Immerhin befürchtete man
eine entsprechende Reaktion zumindestens der Chinesen. Es gab noch
zahlreiche andere Überlegungen seitens der amerikanischen Regierung.
Allerdings kam man zu keinem Entschluss, so dass die französischen
Truppen am 7. Mai 1954 in
Dien Bin Phu kapitulieren mussten. Damit
begann das Ende des französischen Kolonialismus in ganz Indochina.
Auf der Genfer Indochinakonferenz am 8. Mai 1954 trafen sich die
Aussenminister der vier Großmächte der Kriegskoalition des Zweiten
Weltkrieges, eine chinesische Delegation, sowie zwei vietnamesische
Delegationen. Einerseits eine Delegation des Bao Dai-Regimes und
andererseits eine Delegation der Viet Minh. Zu dieser Genfer Konferenz
hatten die verschiedenen teilnehmenden Parteien auch unterschiedliche
Interessen. Die Sowjetunion sah in Indochina mit Genugtuung die
Schwierigkeiten des Westens. Eigene aussenpolitische Ambitionen bzw.
ausserordentliche Interessen diese Region betreffend hatten sie eher
weniger. Sie sahen in der Genfer Zusammenkunft eher eine Möglichkeit zu
versuchen die westdeutsche Wiederbewaffung und Eingliederung in ein
westliches Verteidigungsbündnis zu verhindern. Die französische
Delegation hatte das selbe Anliegen. Die USA allerdings war sehr an
dieser Wiederbewaffnung Westdeutschlands interessiert. Die chinesische
Delegation ihrerseits drängte die Delegierten der Viet Minh dazu
weitreichende Kompromisse zu schliessen, denn die Chinesen wollten
alles versuchen ein Engagement der USA in Vietnam zu vereiteln.
Beschlossen wurde nun, dass sich die Viet Minh nördlich des 17.
Breitengrades zurückziehen und die Franzosen sich von Tonkin
zurückziehen. Die Franzosen sollten die Lanstriche südlich und die Viet
Min nördlich des
17. Breitengrades verwalten. Ausserdem wurden die Viet
Minh dazu verpflichtet laotische Gebiete zu verlassen. Die
Unabhängigkeit von Vietnam, Laos und Kambodscha hatte die Viet
Minh-Delegation auch nicht durchsetzen können. Die USA verpflichteten
sich für die Sicherheit von Südvietnam, Laos und Kambodscha. Hiermit
war nun die Wurzel für den späteren Vietnamkrieg der USA in Vietnam gelegt. In englischer Sprache am weitesten verbreitet als "vietnam war".
Die Spätfolgen der Besatzung durch die Japaner und des Krieges mit den
Franzosen waren besonders im Norden Vietnams spürbar. Die Viet Minh
mussten alles daran setzen die Wirtschaft wieder aufzubauen und die
Kriegsschäden zu beseitigen. Nur dann konnten sie sich weiterhin der
Sympathie der breiten Bevölkerung sicher sein. Es wurden massiv
Landenteignungen, verbunden mit verschiedenen Repressalien, vor allem
in Nordvietnam durchgeführt. Das enteignete Land wurde dann an die
Kleinbauern verteilt. Lokale Parteifunktionäre nutzten die Landreform
zu persönlichen Abrechnungen und Willkür. Hinzu kam eine unzureichende
politische Bildung und der Propagandierung von Pseudomarxismus.
Tausende Menschen verloren sogar ihr Leben und zehntausende ihr Hab und
Gut. Später wurde das Land wieder zu Kooperativen zusammengefasst und
die Industrie wurde verstaatlicht. Nordvietnam war ein Ein-Partei-
Staat geworden. Die
Lao Dong, zu Deutsch Arbeiterpartei, übernahm die
gesamte Machtausübung und Kontrolle über das Leben. Oftmals nicht nur
im öffentlichen, sondern sogar bis in das private Leben der Menschen.
Oftmals zeugte diese Praktik seltsame Blüten. Aber man kann nicht
bestreiten, dass die Wirtschaft des Nordens, für vietnamesiche
Verhältnisse gesehen, eine gewisse Belebung erfuhr.
Die amerikanische Aussenpolitik zielte darauf ab, den Süden Vietnams
dem Einfluss der Kommunisten und Viet Minh zu entziehen, um hier eine
nationalistische Alternative gegenüber dem Norden Vietnams zu bilden.
Wie man später sehen konnte hatten die Amerikaner damit wenig Erfolg.
Um dieses Ziel aber zu erreichen gündeten die USA die
Militärorganisation SEATO, welche sich auch auf Indochina erstreckte.
Ein eindeutiger Verstoss gegen die Genfer Beschlüsse. Und sie setzten
ihren Geheimdienst die CIA (Central Intelligence Agency) massiv zu
Operationen in Vietnam ein. Die CIA bildete Spezialisten im
Guerillakrieg aus, unternahm zahlreiche Sabotageakte in Nordvietnam und
führte eine rigide antikommunistische Propaganda durch, mir dem Ziel
das Ansehen der Kommunisten im Norden zu untergraben. Die Strategie der
Amerikaner war, einerseits massive Finanzhilfe an Südvietnam und
andererseits alles zu unternehmen, um die “Kommunisten” zu vernichten.
Mit ihrer Finanzhilfe wollten die Amerikaner erreichen, Südvietnam zu
einer kapitalistischen und demokratischen Gesellschaft zu entwickeln,
welche wirtschaftlich und sozial gesehen dem kommunistischen Norden
überlegen war. Sollte dies gelingen, so der Standpunkt der Amerikaner,
würde der kommunistisch regierte Norden Vietnams seine Anziehung auf
die vietnamesische Bevölkerung und damit seine Existenzberechtigung
verlieren. In der späteren wirtschaftlichen Entwicklung beider
vietnamesischer Regionen behielten die Amerikaner in dieser Annahme im
grossen und ganzen recht, jedoch die anderen Ziele konnten sie nicht
annähernd erreichen. Eine Aufgabe der Amerikaner bestand darin, eine
vietnamesische Persönlichkeit zu finden, welche sie an die Spitze einer
südvietnamesischen Regierung stellen konnte. Eine Persönlichkeit, die
nicht in dem Verdacht stand im Dienste von Kolonialherren zu stehen,
die antikommunistisch geprägt war und eine Leitfigur des
vietnamesischen Nationalismus sein konnte. Die Wahl der Amerikaner fiel
auf Ngo Dinh Diem. Dieser Mann war strenger Katholik und hatte sich in
der Kolonialverwaltung hochgearbeitet. Unter Bao Dai war er
Innenminister gewesen. Die Japaner wie auch Ho Chi Minh hatten ihn in
der Vergangenheit zu einer Mitarbeit ersucht. Beide Seiten allerdings
ohne Erfolg. Zeitweise lebte Ngo Dinh Diem in den USA. Diem wurde 1954
Premierminister von Südvietnam. Doch er musste sich die Macht mit den
beiden Sekten Cao Dai und Hoa Hao, sowie einer Mafia-Organisation
namens Binh Xuyen teilen. Diese zwei Sekten und die Binh Xuyen
kontrollierten grosse Teile im Süden von Vietnam und damit auch den
Opiumhandel, das Glücksspiel und die Prostitution. Ngo Dinh Diems
Regierung war widerum von Korruption geprägt. 1955 griffen die Binh
Xuyen den Palast des Ministerpräsidenten an und wurden von loyalen
Truppen Diems aus der Stadt vertrieben. Diese für ihn günstige
Situation nutzte Diem auch, um die beiden Sekten der Cao Dai und der
Hoa Hao vernichtend zu schlagen. Nicht unmassgeblich an diesem
militärischen Erfolg trug die amerikanische Finanzspritze in Höhe von
12 Millionen US-Dollar bei. Anschliessend liess sich Diem zum
Präsidenten der Republik Vietnam (RVN) ernennen. Das war das entgültige
Ende des französischen Kolonialismus in Vietnam. Der Einfluss der
Franzosen auf die Geschicke Vietnams war zu Ende. Diese Rolle hatte
mehr und mehr die USA übernommen.
Ngo Dinh Diem hatte allerdings kaum
Rückhalt und Akzeptanz in der vietnamesischen Bevölkerung. Er wie auch
seine Nachfolger später konnten nicht zur Identifikation der breiten
vietnamesischen Volksmassen in ganz Vietnam werden. Die Viet Minh aber
genossen ein breites Ansehen, in vor allem der bäuerlichen Bevölkerung.
Sie waren in den Augen grosser Teile der Bevölkerung diejenigen, die
Vietnam von den Japanern und den Franzosen befreit hatten. Weil Diem,
wie auch die Regierung der USA nicht im entferntesten daran glaubten,
dass Diems Regierung in gesamtvietnamesischen Wahlen eine Chance gegen
die Viet Minh hätte, lehnten beide die auf der Genfer Konferenz
beschlossenen freien Wahlen unter Angabe von fadenscheinigen Argumenten
ab. Diese freien Wahlen waren für den Juli 1956 festegelegt worden. Das
war ein klarer Bruch der Vereinbarungen der Genfer Konferenz.
Die Südvietnamesische Regierung erhielt zwischen 1955 und 1961 von den USA eine Wirtschaftshilfe in Höhe von 1,447 Mrd. Dollar, sowie zusätzlich 508 Mill. Dollar Militärhilfe. Um zu verstehen, was diese Finanzhilfen für Südvietnam bedeuteten. Diese Gelder befriedigten den gesamten Etat der südvietnamesischen Streikräfte und 80% des Staatshaushaltes. Tatsächlich steigerte sich dadurch der Lebensstandard grosser Teile der Bevölkerung erheblich. Ein Grossteil der Gelder versickerte aber in der Korruption und in den Taschen der Staatsdiener, Beamten, und krimineller Geschäftemacher. Südvietnam wurde voll und ganz abhängig von den USA. Allmählich übernahmen amerikanische Spezialisten und Berater die Ausbildung des südvietnamesischen Militärs (ARVN), des Geheimdienstes und der Polizei. Das Militär wurde mit amerikanischer Waffentechnik ausgestattet. Später erwies es sich als ein Fehler, die ARVN für einen konventionellen Krieg mit den Nordvietnamesischen Streitkräften auszubilden. Denn die ARVN hatte zukünftig vor allem mit dem Kampf gegen Aufständische im Süden und mit einer Guerillataktik zu tun. Also wurden die nach obensüdvietnamesischen Truppen für einen falschen Krieg ausgebildet. Das sollte sich später als sehr nachteilig auswirken.
Ngo Dinh Diem verhinderte bewusst, dass das Militär, die Geheimdienste und die Polizei zu mächtig wurden. Alle Macht ging nur von ihm selbst aus. Von ihm und seinen Verwandten, welche wichtige Schlüsselstellungen im Staat bekamen. Nachdem sich Diem der Sekten entledigt hatte, begann er die Kommunisten im Süden zu verfolgen. Tausende Menschen wurden verhaftet und in Lager gesperrt. Hierbei war Diem nicht zimperlich. Er sperrte gleich auch unbequeme Oppositionelle, Gewerkschafter und Journalisten ein. Wobei gleichzeitig die örtlichen Verwaltungschefs die Situation zu private Rachefeldzüge nutzten. 1959 wurden sogenannte Militärtribunale per Gesetz eingerichtet. Diese liessen bis zu 12.000 Menschen töten und ca. 150.000 weitere in Lager sperren. Im Rahmen der sogenannten Landreform wurde das von den Viet Minh an Kleinbauern zugeteilte Land wieder an die Grossgrundbesitzer zurückgegeben, welches den Grossgrundbesitzern vorher enteignet wurde. Besonders die Abschaffung der dörflichen Selbstverwaltungen trugen unter der Landbevölkerung zum Unmut gegen Diem bei. Ab Mitte 1959 begann die Regierung Diem mit massiven Zwangsumsiedlungen der Landbevölkerung in befestigte Dörfer. Damit wollte man den Einfluss der Viet Minh auf die Bauern unterbinden. Besonders schwer wog für die Bauern der Umstand, dass sie gezwungen wurden die Gräber ihrer Ahnen zu verlassen. Viele Bauern kehrten einfach wieder in ihre eigenen Dörfer zurück. Selbst innerhalb des Militärs gärte die Unzufriedenheit. So kam es zum Beispiel 1960 zu einem Angriff von 100 Fallschirmjäger auf den Präsidentenpalast. Diem verweigerte nach wie vor die im Genfer Abkommen vereinbarten freien Wahlen. 1958 begann in Südvietnam verstärkt der bewaffnete Widerstand. Die Viet Minh im Süden Vietnams versuchten die Führung in Hanoi für den bewaffneten Kampf gegen die Regierung zu überzeugen. Doch erst einmal wandte sich diese gegen ein solches Vorhaben. Sie benötigten noch Zeit um den Norden Vietnams wirtschaftlich zu stärken. Die Viet Minh in Südvietnam verbündeten sich zeitweise mit den Überresten der Sekten der Cao Dai und der Hoa Hao, sowie mit den an der kambodschanischen Grenze lebenden ethnischen Minderheiten, den sogenannten Montagnards. Die letzteren wurden von Diems Regime gewaltsam von Teilen ihres Landes vertrieben, damit Diem diese Landstriche vor allem mit Katholiken und anderen Bewohnern aus dem Norden besiedeln konnte. Diem selbst war ein strenger Katholik. Die Aufständischen begannen nun damit, Regierungsbeamte und Verwaltungschefs zu ermorden. Dadurch beabsichtigten sie die Regierungstreuen einzuschüchtern und selbst die Kontrolle über die Verwaltungsbezirke übernehmen zu können. Angesichts dieser Entwicklung in Südvietnam schwenkte auch die nordvietnamesische Führung auf diesen Kurs um. Einige tausend Guerillakämpfer, welche ursprünglich aus dem Süden stammten wurden zur Verstärkung der Aufständischen entsandt. Es kam zu grösseren bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ihnen und der ARVN. Durch ein Treffen 1960 von Viet Minh-Vertretern, Kommunisten aus Südvietnam, Buddhisten, Mitglieder der Cao Dai und Hoa Hao sowie einiger Katholiken wurde das Fundament für die Gründung der NLF (Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams) gelegt. Die vielfach angewendete Vereinfachung, dass die NLF gleichzusetzen war mit der Kommunistischen Partei ist nicht korrekt. Bis 1968 war diese NLF in keiner Weise abhängig von der Hanoier Führung. Die NLF war die direkte Nachfolgeorganisation der Viet Minh. Ihre “Volksbefreiungsarmee” PLAF wurde von Diem “Vietcong” genannt. Viele Vietnamesen verstehen noch heute diese Bezeichnung als Schimpfwort und hören diese Namensnennung nicht so gerne. Jedoch ist das nicht so leicht zu verstehen, weil diese Bezeichnung eigentlich nichts anderes heisst als “vietnamesische Kommunisten”. Warum ärgert das eigentlich vietnamesische Kommunisten, dass die Kämpfer der PLAF als solche benannt wurden. Vielleicht weil die Amerikaner und Südvietnamesen diesen Begriff als “Schimpfwort” benutzt hatten - vielleicht. So klar verständlich ist mir das noch nicht.
In Südvietnam leisteten die USA zwar massive finanzielle und Militärhilfe, jedoch hatte sie in der zweiten Hälfte der 50-iger Jahre kaum Einfluss auf die Innenpolitik von Südvietnam. Diem konnte sehr geschickt zwischen den verschiedenen Kreisen und Meinungen lavieren und deren Ziele somit neutralisieren. Und der Präsident Eisenhower war nicht in der Lage zu erkennen, dass Diem durch die bisherige Taktik der Politik der Vereinigten Staaten nicht von seiner autokratischen und uneffizienten Regierungsweise abzubringen war.
Anfang der sechziger Jahre erhielt die NLF Zulauf von tausenden Freiwilligen. Durch das brutale und unbarmherzige Vorgehen der Diem-Regierung gegen jede Art von Opportunismus wurde dieser Prozess eher noch gefördert. In vielen Gegenden Vietnams schüchterte die NLF die regionalen Regierungsbeamten ein oder sie wurden einfach ermordet. Sie organisierten für viele Leute Schutz und liessen sie an politischen Veranstaltungen teilnehmen. Die südvietnamesischen Dörfer gelangten oftmals dadurch unter die Kontrolle der NLF, dass die NLF Regierungsbeamte ermordete, Saigon Truppen gegen dieses Dorf entsendete und es dadurch viele Tote unter den Dorfbewohnern gab. Ab spätestens diesem Zeitpunkt standen die Dörfer auf der Seite der NLF. Das war eine sehr erfolgreiche Strategie. Zweiter Bestandteil der Strategie war, dass die NLF mittels einer Landreform vielen hundertausenden Bauern Land übereignete. Das trug ebenfalls dazu bei, dass die Bauern fest auf der Seite der NLF standen. Dorfgemeinschaften, welche sich aus unterschiedlichen Gründen weigerten die NLF zu unterstützen wurden oftmals mit Gewalt dazu gezwungen. NLF-Funktionäre wurden mit allem Nachdruck angewiesen sich im Umgang mit den Bauern nach strengen moralischen Regeln zu verhalten. Man wollte bewusst einen Gegensatz zu den arroganten und anmaßenden Regierungsbeamten sichtbar machen. War ein Dorf erstmal von der NLF kontrolliert, dann wurden die Bewohner mit einer intensiven Propaganda konfrontiert. Besonders der Antiamerikanismus und Antiimperialismus wurde immer und immer wieder gepredigt. Die PRP (Revolutionäre Volkspartei), also die kommunistische Organisation, war innerhalb der NLF die politische und idiologische Organisation, welche dafür sorgte, dass die FLN sich an die militärischen und politischen Entscheidungen der Führung in Hanoi hielt. Wobei die meisten Funktionäre der PRP sich so gut wie gar nicht mit den Schriften von Karl Marx, Engels und Lenins beschäftigt hatten. Für die meisten Kommunisten war der Marxismus-Leninismus zu abstrakt. Sie setzten ganz pragmatische Ziele: die Beseitigung des Diem-Regime, die Vertreibung der amerikanischen Berater und die Abschaffung des Kapitalismus. Es kam für sie damals nicht vorrangig darauf an den Kommunismus zu errichten, sondern sie stellten die moralische Integrität und individuelle Opferbereitschaft in den Vordergrund.
Anfang 1961 wurde John F. Kennedy Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit ihm vollzog sich in den USA ein Politikwechsel und er holte sich fähige und junge Berater in das Weisse Haus. Kennedy hatte die Absicht alte und verkrustete innenpolitische Strukturen zu durchbrechen, sowie die wirtschaftliche Misere im Land zu beseitigen. Hierbei sollte sich in späterer Zeit zeigen, dass sich in den USA alte und reaktionäre Kräfte in starkem Konflikt mit der neuen Politik befanden. Was letztendlich in einem Attentat auf ihn mündete und ihm sein Leben kostete. Doch jetzt wird erst einmal das Jahr 1961 geschrieben. Für Vietnam bedeutet dieser Politikwechsel allerdings ein verstärktes Engagement der USA in dessen politischer, wirtschaftlicher und auch militärischen Entwicklung, was später in dem "Vietnamkrieg" mündete. Auch Kennedy glaubte wie seine Vorgänger, in Südvietnam den “Freien Westen” und die “Demokratie” gegen den Weltkommunismus verteidigen zu müssen.
Die amerikanische Regierung unterstützte in Laos massiv die Pathet Lao.
Man wollte in Laos verhindern, dass dort ebenso eine Bewegung wie in
Vietnam die Viet Minh entsteht. Als aber die Führung der Pathet Lao
ebenfalls in Moskau um Unterstützung baten und sie diese auch
erhielten, deuteten die Amerikaner das als Seitenwechsel der Pathet Lao
zur kommunistischen Seite. Sie entsendeten die 7. US-Flotte ins
Südchinesische Meer. Die SEATO wurde auch aktiviert und Thailand,
Pakistan und die Philippinen gaben eine Zusage zur Entsendung von
Soldaten. Unter dem Fiasko der Invasion in der kubanischen
“Schweinebucht” fanden sich die Amerikaner aber zu einer
Verhandlungslösung bereit. 1962 wurde ein Waffenstillstand und der
Abzug aller nicht-laotischen Truppen beschlossen. Weder Nordvietnam
noch die USA hielten sich aber an diesen Vertrag. In Vietnam wurde die
ARVN um weitere 50.000 Soldaten vergrössert und 400 “Green Berets”
wurden zu den vietnamesischen ethnischen Minderheiten im westlichen
Bergland entsendet um diese dafür zu gewinnen, dass sie die Pfade an
der unzugänglichen laotisch-vietnamesischen Grenze bewachen. Die CIA
erhielt den Auftrag in Nordvietnam Sabotageakte zu verüben. Mit einer
Militärhilfe von
42 Millionen US-Dollar wurde die südvietnamesische
Armee modernisiert und aufgerüstet. Diem unterdessen ging mit
äusserster Brutalität und Grausamkeit gegen die NLF vor. Doch auch
dadurch bekam er die Lage nicht in den Griff. Aus diesem Grund bat er
die Regierung der USA um ein Militärbündnis und die Entsendung von
amerikanischen Kampftruppen. Kennedy entschied sich aber zunächst
einmal gegen die Entsendung von Bodentruppen. Er weitete die
Wirtschaftshilfe aus und erhöhte die Anzahl der militärischen Berater.
1962 befanden sich schon mehr als 9.000 solcher Berater in Südvietnam.
Kennedy widerum verlangte von Diem eine Liberalisierung seiner
Regierung und ein Mitspracherecht in militärischen und politischen
Fragen. Die Amerikaner konnten sich aber mit ihren Forderungen nicht
durchsetzen.
Die Amerikaner und das Diem-Regime wollten durch eine neue Strategie,
die sogenannte “Counterinsurgency-Strategie”, den Einfluss der NLF auf
die Landbevölkerung untergraben. Sie hatte zur Folge, dass in
Südvietnam Dörfer zu Wehrdörfer ausgebaut wurden. Aber die NLF
überrannte diese Wehrdörfer einfach. Daraufhin sollten amerikanische
Helikopter durch Aufklärung NLF-Verbände finden und diese den
südvietnamesischen Bodentruppen zutreiben, damit die südvietnamesische
Armee die NLF-Verbände vernichten konnte. Hierbei kam es zu einem
massiven Einsatz von Napalm und von hundertausenden Tonnen Herbizide.
Ab 1963 wurde das Entlaubungsmittel “Agent Orange” eingesetzt. Doch das
alles nützte nichts. Die ARVN konnte gegenüber der NLF keinen Meter
Boden gewinnen. Es gab keinerlei Erfolge zu verzeichnen. Die Regierung
der USA wurde immer unzufriedener mit der Regierung unter Diem. Diem
liess sich nicht dahingehend bewegen, seinen totalitären Regierungsstil
zur allmählichen Demokratisierung der Gesellschaft zu ändern.
Vorübergehend befasste sich die amerikanische Regierung sogar mit
Überlegungen, die eigenen Berater ganz aus Vietnam abzuziehen. Jedoch
entschied sich die US-Regierung zu einer Vergrösserung des Engagements
in Südvietnam und Verstärkung der geheimen Militäroperationen in
Nordvietnam. Im November 1963 befanden sich schon 16.300 Berater in
Südvietnam. Als im Mai 1963 Buddhisten in Hue den 2527. Geburtstag von
Buddha feierten eröffneten Truppen Diems auf die Menschenmenge das
Feuer. Mehrere Menschen starben. Daraufhin protestierten zehntausende
buddhistische Demonstranten und auch hier wurde gegen sie mit aller
Härte durchgegriffen. Es kam zu Selbstverbrennungen buddhistischer
Mönche. Diese Bilder von Journalisten gemacht gingen schlagartig um die
Welt und die Republik Vietnam erlebte ihre grösste Krise. Studenten
schlossen sich den Protesten an und in der ARVN brodelte es vor
Unzufriedenheit. In der Folgezeit setzten die USA nicht unbedingt mehr
auf Diem als Partner. Im Geheimen sah sich die CIA nach einem
geeigneten Nachfolger um. Als südvietnamesische Militäreinheiten
putschten, Diem und sein Bruder Ngo Dinh Nhu den amerikanischen
Botschafter Lodge baten ihnen Asyl zu gewären, wehrte Lodge diese Bitte
unter einem Vorwand ab. Etwas später wurden die beiden Diem-Brüder
erschossen aufgefunden. Drei Wochen später starb
John F. Kennedy durch
ein Attentat in Texas.
Lyndon B. Johnson wurde der Nachfolger des ermordeten John F. Kennedy. Johnson hatte nicht wie Kennedy Zweifel an dem amerikanischen Engagement in Vietnam. Die NLF hatte gegen Ende des Jahres 1963 erhebliche Erfolge errungen und die Militärjunta unternahm nichts dagegen. Dieser Zustand war Johnson ein Greuel und er äusserte mehrmals seine Befürchtungen, dass Vietnam die selbe Entwicklung nehmen könnte wie China. 1964 reiste der amerikanische Verteidigungsminister McNamara erneut nach Südvietnam. Sein Auftrag war, sich ein Bild von der aktuellen Situation in Südvietnam zu machen und dem Weißen Haus Vorschläge für das weitere Vorgehen der Vereinigten Staaten von Amerika zu unterbreiten. In seinem Bericht schnitt die Regierung unter Khanh sehr schlecht ab. Er war absolut von der Theorie des Dominoprinzips überzeugt, welche besagt, daß wenn ein Land dem “Weltkommunismus” zum Opfer fällt das nächste Land der entsprechenden Region das selbe Schicksal erleiden wird. Wie schon erwähnt war das die damals vorherrschende Auffassung der USA von der Auseinandersetzung zwischen dem “Westen” und dem Kommunistischen Osten”. Die innenpolitisches Situation Südvietnams sowie der Zustand der ARVN erregte in der Johnson Administration aufgrund McNamaras Berichten äusserste Beunruhigung. Folge davon war, dass die weitere Forcierung der verdeckten Operationen gegen Nordvietnam beschlossen wurden. Wer meint, dass die USA sich nur mit der Bekämpfung der NLF befassten irrt. Die Amerikaner nahmen Verhandlungen mit Hanoi auf, in denen sie Nordvietnam wirtschaftliche Hilfe versprachen, wenn sie die Unterstützung der südvietnamesischen Befreiungsbewegung aufgaben. Sollte sich Hanoi jedoch weigern, würde man Luftangriffe auf nordvietnamesisches Gebiet unternehmen. Doch Hanoi dachte nicht im mindesten auf diese Vorschläge einzugehen. Offiziell verlangten sie eine Neutralisierung Südvietnams und den vollständigen Abzug der Amerikaner. Insgeheim war es von Anfang an das Ziel Nordvietnams, der Republik Vietnam den Todesstoss zu geben und Vietnam als einen Staat unter Führung der Kommunistischen Partei zu vereinen. Man kann sagen was man will, man kann bewerten wie man will. Aber die schon immer von Ho Chi Minh angestrebte und später realisierte Vereinigung Vietnams war sein grösster Verdienst. Erst dadurch war es fremden Mächten nicht mehr möglich Vietnam zu spalten und terretorial zu besetzen.
Am 02. August 1964 wurde der amerikanische Zerstörer “Maddox” im Golf von Tonkin von nordvietnamesischen Torpedobooten angegriffen. Die Nordvietnamesen nahmen an, dass der Zerstörer mit einer Militäroperation der südvietnamesischen Armee betreffs der Insel Hon Me zusammenhing. Die Amerikaner provozierten bewusst Nordvietnam und entsanden einen zusätzlichen Zerstörer zur Verstärkung der “Maddox”. Und sie begannen mit Luftangriffen auf nordvietnamesische Militäranlagen und Treibstofflager. Angeblich sollte es einen zweiten Angriff der Vordvietnamesen gegeben haben. Jedoch im nachhinein war es seitdem sehr umstritten, ob die amerikanischen Zerstörer tatsächlich auch nochmals von nordvietnamesischen Marineeinheiten angegriffen wurden. Alles weisst darauf hin, dass ein solcher Angriff nicht stattgefunden hatte. Mit der “Golf von Tonkin-Resolution” nach obennahm das direkte und massive militärische Engagement der USA in Vietnam seinen Anfang.
Quelle: Zusammenfassung frei orientiert an der Darstellung von “Geschichte des Vietnamkrieges” v. Marc Frey Verlag C.H.Beck, München 1998



