Heimat - fremde Heimat!
Auf der Fahrt von Österreich nach Deutschland werde ich ständig von den Zivilbeamten der Ausländerpolizei kontrolliert. Es ist immer eine ziemlich lange Prozedur - Ja! es hat sich bereits fast zu einem Ritual dieser präpotenten und primitiven Grenzpostenwächter entwickelt. Meistens lief es so ab: Ich rückte meinen Pass bzw. Personalausweis heraus und während ich dies tat, hatte ich meistens ein Buch dabei, womit ich beschäftigt war, und schaute dabei nicht einmal die sich selbst wichtigmachenden Beamten an. Diese drehten meinen Ausweis zuerst nach links, danach nach rechts, schließlich nach unten und dann nach oben, rückten ihn näher an ihre Puppillen heran und hielten ihn anschließend schief, um zu sehen, ob er gefälscht war. Dies wiederholte sich mehrere Male. Währendessen las ich weiterhin vergnüglich in meinem Buch und ignorierte die auf mich immer wieder mit ihrem überraschten, vielleicht aber auch verhassten Blick (zumindest war dieser für mich immer sehr ekelerregend) gerichteten Beamten. Es sind in der Regel immer zwei Wichtigtuer, die dieser Prozedur beiwohnen. Der Ausweis war echt und daran gab es nichts zu rütteln. Es reichte nicht, dass er echt d. h. nicht gefälscht war. Sie telefonierten noch in die Datenzentrale nach Wien und fragten nach, ob die Nummer meines Passes registriert sei. Anscheinend erhielten sie ein "Ja", sonst hätten sie ihn mir nicht wieder zurückgegeben. Ich nahm meinen Ausweis entgegen, ignorierte die Beamten weiterhin, indem ich in meinem Buch weiterlas. Diese starrten mich immer noch an und gingen schließlich schweigend zur nächsten Zugsabteilung weiter.
Ein anderes Mal stand ich in Garmisch - an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich - auf dem Weg zu einer Firma, die auch in Asien Niederlassungen hatte und wartete auf den Anschlusszug! Zwei in Zivil gekleidete Beamten kamen auf mich zu, rückten ihren Ausweis heraus und sagten: "Fremdenpolizei, dürfen wir Ihren Ausweis sehen?" Ich entgegnete spontan: "Weit und breit ist kein Schwein zu sehen und Sie müssen ausgerechnet mich kontrollieren?" Sie lachten und antworteten freundlich: "Tut uns leid, auch wir müssen unseren Job machen!" Es waren die ersten freundlichen Polizeibeamten nach vierundzwanzigjährigem Passieren der Grenze zwischen Österreich und Deutschland! Wer weiß...vielleicht waren sie deshalb nur freundlich gewesen, weil ich im richtigen Moment den richtigen ironischen Ton getroffen hatte!
© Nguyen Minh Viet

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Kommentar von Csab | 2010-10-28
Hallo, "Ha F",
Heimat ist dort, wo man sich verstanden fuehlt und wo man von Bekannten, Freunden und liebenden Menschen mit waermender Fuersorge und liebevoller Obhut umgeben wird. Fuer mich persoenlich ist "Heimat" immer dort zu fnden, wo ich im Gesicht des "Fremden" ein kleines, mir taeglich entgegenstrahlendes Laecheln entdecke. Sowohl in Vietnam als auch in Deutschland ist das Leben lebenswert. Man muss sich nur in beiden Laendern fuer sich entschieden haben, eine "eigene" Heimat aufzubauen. In der "Fremde" wird es immer eine noch groessere Herausforderung sein, dafuer ist das Leben umso spannender.
Liebe Gruesse
csab
Kommentar von Ha F | 2010-10-07
fühle mich traurig als ich den Artikel gelesen habe. überlege mir ob ich deutschen Pass beantragen soll. Was denkst Du? und Ihr?
Ich bin immer dazwischen, ich weiß nicht, wo ich gehöre? Deutschland, nicht, Vietnam nicht, ich bin wie eine Pflanze, die von der Heimat weggenommen wurde, und nicht in der neuen Heimat gut wachsen kann, nicht zurückkehren will... Ach, ...so ist meine Gedanken...