Pariser Abkommen 1973: Wendepunkt im Vietnam-Krieg

Nach fast 5 Jahren harter Verhandlungen unterzeichneten am 27. Januar 1973 die Delegationen der Demokratischen Republik Vietnam (Nordvietnam), der Provisorischen Revolutionären Regierung Südvietnams (Administration der Befreiungsfront), der Vereinigten Staaten von Amerika sowie der Republik Vietnam (Südvietnams Regierung unter Nguyen Van Thieu) in Paris das 9 Punkte-Abkommen zur Beendigung des Kriegs in Vietnam und zum Abzug der USA-Truppen aus Südvietnam. Die Verhandlungsführer waren Henry Kissinger für die USA, Mme. Ngyuen Thi Binh für die PRR Vietnams und Le Duc Tho für die DRV. Unterzeichnet wurde das Abkommen von
William P. Rogers for das State Department der USA;Tran Van Lam, Außenminister der Republic of Vietnam; Nguyen Duy Trinh, Außenmimister der DRV, und Mme. Nguyen Thi Binh, Außenministerin der PRR Vietnams.

Kernpunkte des Abkommens:

  1. Die USA respektieren die Unabhängigkeit, Souveränität, territoriale Souveränität und Einheit Vietnams.
  2. Die USA werden innerhalb von 60 Tagen ihre gesamten Truppen und ihr Militärpersonal aus Vietnam abziehen. Die Verminung der Häfen und die Bombardierungen werden eingestellt. 24 Stunden nach Unterzeichnung des Abkommens soll ein Waffenstillstand in Südvietnam eintreten.
  3. Parallel zum Truppenabzug der US-Armeen sollen die Kriegsgefangenen freigelassen werden.
  4. Das südvietnamesische Volk soll selbst über seine Zukunft durch freie Wahlen entscheiden. Die USA versucht nicht mehr, ein proamerikanisches Regime zu installieren. Die südvietnamesischen Parteien sollen die nationale Aussöhnung vorantreiben und einen Nationalen Rat der Versöhnung bilden.
  5. Die Wiedervereinigung des Landes soll Schritt für Schritt verwirklicht werden.
  6. Eine gemischte Militärkommission aus den beiden südvietnamesischen Parteien soll gebildet werden. Außerdem solle eine internationale Kontroll- und Überwachungskommission gebildet werden.
  7. Alle unterzeichnenden Parteien verpflichten sich die Souveränität von Laos und Kambodscha gemäß dem Genfer Indochinaabkommen von 1954 zu respektieren und die Territorien der Länder nicht länger für militärische Aktionen gegen andere zu benutzen.
  8. Die USA werden zur Heilung der Wunden des Krieges in der DRV und ganz Indochina beitragen.
  9. Das Abkommen tritt mit der Unterzeichnung in Kraft und ist strikt einzuhalten.

 

Noch wenige Monate zuvor hatte der US Präsident Nixon nach gerade gewonnener Wahl versucht,  das bereits im Oktober 1972 unterschriftsreife Abkommen, nochmals in seinem Sinne zu ändern, beziehungsweise die DRV und die FNL militärisch zu besiegen. Dazu ließ er im Dezember 1972 über die Weihnachtstage pausenlos bombardieren. Die DRV und das vietnamesische Volk kapitulierten aber nicht. Die USA mussten an den Verhandlungstisch zurückkehren und ihren Rückzug aus Vietnam akzeptieren. 60 Tage nach Unterzeichnung des Abkommens, am 30. März 1973 verließen die letzten US-Truppen Vietnam.  Vietnam hatte einen unvergleichlichen diplomatischen Sieg errungen. Für die Menschen in der DRV und den befreiten Gebieten im Süden waren die Kampfhandlungen und der Krieg endlich vorbei. Bis allerdings alle Menschen sich über den Frieden freuen durften, dauerte es nochmals über zwei Jahre.

Begonnen hatten die Verhandlungen wenige Tage nach der Tet-Ofensive am 13. May 1968, als die USA in Verhandlungen mit der FNL treten musste.

Ab Januar 1969 fanden Vierparteiengespräche zwischen allen beteiligten Gruppen in Paris statt. Ab Juni 1969  übernahm den Platz der FNL die Provisorische Revolutionäre Regierung in Südvietnam. 201 öffentliche Sitzungen, 45 nichtöffentliche vertrauliche Gespräche auf höchster Ebene der Verhandlungsführungen, 500 Pressekonferenzen und 1000 Interviews über den Stand der Verhandlungen und die Verhandlungspositionen waren erforderlich, bis die USA und ihre Marionetten in Saigon endlich ihre Unterschrift unter das Abkommen setzten.

© Text: Stefan Kühner