Vietnamesen in Deutschland
Im Folgenden möchte ich ein paar Zeilen über das Leben der Vietnamesen in Deutschland schreiben. Dabei vernachlässige ich aus bestimmten Gründen die sogenannten “Boat People”, man möge mir das verzeihen. Aber zu diesem Thema findet Ihr hier einen Artikel: “Ein Schiff für Vietnam - Die Cap Anamur”.
Zu Zeiten vor der Vereinigung wurden sehr viele Vietnamesen zur Arbeit in die damalige DDR gelockt. Vietnamesen waren damals äusserst billige Arbeitskräfte. Einmal in der DDR angekommen wurden sie in grosse Wohnheime gesperrt und unterlagen dort rigorosen Vorschriften. Jeweils von der Früh- bis zur Nachtschicht gingen sie in die Betriebe zur Arbeit und wurden dort als sehr willige, fleissige und unkomplizierte Arbeitskräfte geschätzt. Das Bild, welches Deutsche von ihren vietnamesischen Kollegen hatten war kurzgefasst: “sehr fleissig” und “freundlich, immerzu lächelnd”. In den Wohnheimen existierte eine Sperrstunde, zu der jeder Vietnamese möglichst pünktlich zu erscheinen hatte. Zu verreisen war aber kein Problem. Besucher wurden nur geduldet, wenn sie sich an der Rezeption anmeldeten und rechtzeitig am Abend das Gebäude wieder verliesen. Es gab Zeiten, da wurden vietnamesische Frauen im schwangeren Zustand abgeschoben oder sie wurden genötigt abzutreiben. Dieser Umstand war besonders tragisch, weil die Vietnamesen ihren Familien in der Heimat Geld und Güter schickten, um diesen zu helfen. In diesem Zusammenhang gab es so manche persönlichen Tragödien. Hervorzuheben ist, dass die Vietnamesen oft eine gute Ausbildung zum Facharbeiter oder zum Meister erhielten. Diese erworbene Qualifikation war ihnen oft im späteren Leben sehr von Vorteil. Bedauerlich war, dass private Kontakte zu deutschen Kollegen eher die Ausnahme waren.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands begann der deutsche Staat die Gastarbeiter nach und nach abzuschieben. Wie “Ost”deutsche Kollegen auch, verloren sie durch die Betriebs- schliessungen und dem Arbeitskräfteabbau ihren Arbeitsplatz. Wobei meistens die Gastarbeiter die Ersten waren, welche entlassen wurden. Seitens der deutschen Behörden bot man ihnen eine lächerliche Abfindung von 3.000 DM an, wenn sie nur abreisen täten und Deutschland den Rücken kehrten. Viele hielten diesem psychologischen Druck nicht stand und reisten tatsächlich nach Vietnam aus. Doch die grosse Masse der Vietnamesen blieb und die, die ausreisten kamen in der Regel später wieder zurück. Oftmals illegal und beantragten Asyl in Deutschland.
Die wenigsten Deutschen können sich bis zum heutigen Tag tatsächlich vorstellen, was die Vietnamesen gefühlt und empfunden hatten, als der brüllende Mob ihre Wohnheime anzündeten und beträchtliche Teile der Bevölkerung dazu applaudierten. Unvergessen mein Erlebnis, als die Kameras auf eine vietnamesische Mutter mit ihrem Baby in den Armen schwenkten, die auf dem Dach ihres brennenden Hauses stand und hilflos nach unten schaute, umringt von dem grölenden Mob und dichten Rauchschwaden. Unvergessen wie, eine mir bekannte Vietnamesin mit Tränen in den Augen angesichts dieses Bildes ausrief: “das ist meine Freundin, ......, ich bin mit ihr in die Schule gegangen!” Und der deutsche Staat und seine Polizei schauten lange Zeit zu und liesen es gewären.
Die hiergebliebenen Vietnamesen hatten so gut wie keine Möglichkeit eine Arbeitsstelle zu finden. Mit dem Aufkommen des illegalen Zigaretteschmugels und -handels, verdienten sich zahlreiche Vietnamesen damit ihren Lebensunterhalt und unterstützten mit dem dadurch erworbenen Geld ihre Familien in Deutschland. Einerseits wurden sie von der vietnamesischen Mafia, von ausländer- feindlichen Jugendlichen und von der Polizei bedroht. Natürlich musste der deutsche Staat gegen den illegalen Zigarettenhandel vorgehen, keine Frage. Nur um zu verstehen, was die Vietnamesen dazu brachte trotzdem mit illegalen Zigaretten zu handeln, muss man viel weiter blicken. Ich komme noch darauf zurück.
Bei jedem Wetter standen die vietnamesischen “Zigarettenverkäufer” um Geld zu verdienen. Die Bedrohung durch ausländerfeindliche Jugendliche und durch die vietnamesische Mafia war enorm. Wenn man Statistiken von durch die Mafia ermordeten Vietnamesen liest, so kann man ruhig davon ausgehen, dass eine Anzahl von Vietnamesen verschwanden und niemals wieder gesehen wurden. Doch das schreckte die Vietnamesen nicht so sehr, wie die Jagd auf sie durch die Polizei. Dabei kam es zu zahlreichen Rechtsverletzungen durch Polizeibeamte. Aber mir ist kein einziger Fall einer drastischen Bestrafung eines Polizeibeamten bekannt geworden. Jedoch auch das schreckte die Vietnamesen nicht. Oft fragte ich, wie diese Menschen diese täglichen Demütigungen und Bedrohungen aushalten können. Als ich in Vietnam war verstand ich sie gut. Die Armut vieler Familien in ihrem Heimatland ist einfach zu gross. Man muss diese Armut erlebt und gefühlt haben um zu verstehen, was Armut ist. Also war die Ergreifung durch die Polizei und eine eventuelle Ausweisung aus Deutschland von allem die grösste Bedrohung.
Jeder vietnamesische Zigarettenhändler hätte lieber einen Job gehabt um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen!
Viele Vietnamesen, welche hiergeblieben waren, sind heute selbständig oder haben einen Job wie andere Bürger dieses Landes auch. Sind sie arbeitslos, dann warten sie niemals zu Hause, denn nichts tun gilt als Verlust und “Todsünde”. Irgendwie verdienen sie “eine” Mark. Die Tüchtigkeit, der Fleiss und die unvergleichliche Gabe zur Improvisation ist legendär und bestaunenswert. Viele Kinder der Vietnamesen studieren jetzt in Deutschland. Auffällig ist, dass besonders viele vietnamesische Kinder in den Schulen sehr fleissig lernen und beste Ergebnisse haben. Was wundert es auch, denn die Eltern geben die Motivation an ihre Kinder weiter. Bedauernswert ist, dass viele Eltern oft 10 - 14 Stunden tagtäglich in ihrem Imbiss oder sonstigem Geschäft schuften und ihre Kinder die meiste Zeit alleine sind.
Sehr bedauerlich sind zwei Umstände, die auch andere hier lebende Ausländer betreffen. Im Zusammenhang mit der Familienzusammenführung können Eltern oft ihre Kinder nicht in ihre Familie holen, weil sie 16 Jahre alt oder älter sind. Sicher hat sich der Gesetzgeber etwas dabei gedacht, nur nichts was mit Humanität zu tun hat. Jeder Innenminister dieses Deutschlands würde auch alles daran setzen, damit sein 16-jähriger Sohn im eigenen Familienverbund aufwächst. Zweitens werden auf Kosten des deutschen Staates ausländische Studenten ausgebildet und wenn sie einen akademischen Abschlus gemacht haben, sagt man ihnen “sie sollen verschwinden” und sich gefälligst im Ausland oder in ihrer Heimat einen Job suchen. Was für ein unglaublicher Blödsinn. Da bildet der deutsche Staat ausländische Akademiker auf seine Kosten aus und dann schickt er sie weg und diese Akademiker gehen in Staaten wie z. Bsp. die USA, Frankreich usw. wo man sie mit Kusshand nimmt.
Es gäbe hier noch viel zu erwähnen. Aber vielleicht später mehr dazu.




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